Joseph Gordon-Levitt über sein Regiedebüt „Don Jon“

JGL über sein Regiedebüt Don Jon © 2013 Ascot Elite Filmverleih GmbH

 

Welche Vorgeschichte hat Ihr Regiedebüt DON JON?

: Ich wollte erzählen, wie Menschen sich gegenseitig zu Objekten degradieren. Ich bin mein ganzes Leben lang Schauspieler und konnte aus erster Reihe beobachten, dass Menschen im Kino und im Fernsehen nur selten als komplexe Wesen, sondern meist als Objekte dargestellt werden. Hinzu kommt, dass ich mit den Idealen meiner Mutter, die sich sehr stark in der Frauenbewegung der 60er und 70er Jahre engagiert hat, großgezogen wurde.

Woher rührt die Pornosucht des Titelhelden Jon?

Joseph Gordon-Levitt: Ein Mann, der am Computer sitzt und sich Pornos anschaut, ist für mich die perfekte Metapher eines Menschen, der andere nur als Objekte sieht und benutzt. Er hat keinerlei Beziehung zu der Frau, die er im Internet beim Sex beobachtet. Doch irgendwann meldete sich der Schauspieler in mir und ich dachte darüber nach, wer dieser Typ sein könnte und warum er sich Pornos anschaut. Weil er keine Partnerin finden kann? Nein, das wäre unlogisch, weil er dann einsam und traurig wirken müsste. Wenn er aber ein beliebter Kerl ist, der immer die tollsten Frauen hat und trotzdem Pornos schaut, eignet er sich viel besser für die Geschichte, die ich erzählen wollte.

 

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Sehen Sie den Stoff als eine Tragödie oder eine Komödie?

Joseph Gordon-Levitt: Meine Suche nach dem Archetypen aller Frauenlieblinge dauerte nicht allzu lang: Ich fand den legendären fiktionalen Charakter Don Juan. Doch seine Geschichte wird im Theater und in Filmen bis heute meist als Tragödie erzählt, in der er nichts dazulernt und schließlich an seinen eigenen Unzulänglichkeiten zugrunde geht. Aber ich bevorzuge Geschichten, die ein Licht am Ende des Tunnels zeigen und Hoffnung geben. Also schrieb ich eine Komödie. Natürlich ist das schwarzer Humor und der Typ, den ich spiele, wirkt ziemlich widerwärtig, wenn man ihn zum ersten Mal trifft. Aber am Ende wird er durch die Liebe gerettet, weshalb man den Film auch als Liebesfilm sehen kann. Wenn auch als verdammt ungewöhnlichen Liebesfilm.

Fiel es Ihnen leicht, Ihr erstes Drehbuch zu schreiben?

Joseph Gordon-Levitt: Die Grundidee trug ich schon mehrere Jahre mit mir herum. Ich dachte viel darüber nach und machte Notizen, wann immer mir eine neue Idee kam. Ich war in Vancouver und drehte 50/50 – FREUNDE FÜRS (ÜBER)LEBEN, als ich mich für den komödiantischen Unterton entschied und Jon als Ostküsten-Typ mit reichlich Muskeln und zu viel Gel in den Haaren entwarf. Knapp sechs Monate später saß ich beim Dreh zu PREMIUM RUSH mit dem großartigen Autor David Koepp zusammen und legte mit dem Drehbuch los. Ich habe das nie als richtige Arbeit empfunden. Es war eher ein Hobby, das ich ausübte, wann immer ich die Zeit dazu fand. Nach gut einem Jahr, als ich in London THE DARK KNIGHT RISES drehte, war der erste Entwurf fertig.

 

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Ist es leichter oder schwerer, eine Rolle zu spielen, die man für sich selbst geschrieben hat?

Joseph Gordon-Levitt: Das war relativ leicht. Nach dem langen Schreibprozess kannte ich die Rolle ja sehr gut. Die eigentliche Herausforderung lag darin, dass ich Jon als Bodybuilder entworfen hatte und nun den entsprechenden Körper brauchte. Ich mache zwar gern Sport, habe aber noch nie Eisen gestemmt. In den sechs Monaten vor Drehbeginn ging ich fünf Mal pro Woche ins Fitnesstudio, aß unglaubliche Mengen an Hähnchenfleisch und legte gut zwölf Kilo Muskeln zu. Viele Leute haben mich gefragt, ob ich diese Routine nach Drehschluss beibehalten wolle. Nein. Ganz bestimmt nicht.

Wie konnten Sie für den Film verpflichten?

Joseph Gordon-Levitt: Als ich die Rolle der Barbara Sugarman schrieb, hatte ich die ganze Zeit Scarlett vor Augen. Ich habe wirklich an keine andere Schauspielerin gedacht. Einerseits hatte sie mich durch einen saukomischen Sketch bei Saturday Night Live überzeugt, andererseits fand ich ihre Auftritte in LOST IN TRANSLATION, VICKY CHRISTINA BARCELONA und anderen Filmen großartig. Wir kannten uns noch nicht persönlich, aber ich wollte mit ihr über das Drehbuch reden, bevor sie es bekam und lesen konnte. Also flog ich nach Albuquerque, wo sie gerade THE AVENGERS drehte. Wir sprachen lang über Männer und Frauen, über Liebe und Lust, Beziehungen und Werte, Pornographie und Hollywood-Romanzen, Familie, Religion, die Wahrnehmung des eigenen Körpers und vieles mehr. Danach las sie das Drehbuch und zum Glück gefiel es ihr. Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, wie es mit dem ganzen Film weitergegangen wäre, wenn ihr das Buch nicht gefallen hätte.

 

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